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Es gibt diese Momente im Fußball, die größer sind als ein einzelnes Spiel.
Deutschland verliert erstmals in seiner Geschichte ein Elfmeterschießen bei einer Weltmeisterschaft. Eine Statistik, die jahrzehntelang für deutscher Kampfgeist, Nervenstärke und Siegermentalität stand, gehört seit gestern der Vergangenheit an.
Beeindruckend? Ja.
Entscheidend? Nein.
Wer nach 120 Minuten gegen Paraguay darüber diskutieren muss, warum drei Schützen verschossen haben, lenkt von der eigentlichen Geschichte dieses Abends ab. Deutschland hätte dieses Spiel niemals ins Elfmeterschießen bringen dürfen.
Über 70 Prozent Ballbesitz, spielerische Überlegenheit, individuelle Qualität auf nahezu jeder Position und trotzdem entstand über weite Strecken das Gefühl, dass der Mannschaft etwas Entscheidendes fehlt: Ideen.
Es wurde viel quer gespielt, viel abgesichert und viel kontrolliert. Nur eines wurde kaum erzeugt: echte Gefahr.
Der moderne Fußball ist voller Daten, Laufwerte und Passquoten. Doch all das hilft wenig, wenn einer Mannschaft die Kreativität verloren geht, um tief stehende Gegner auseinanderzuspielen.
Paraguay wusste genau, was es wollte. Deutschland schien dagegen lange zu überlegen, wie man überhaupt zum Tor kommt.
Natürlich wird jetzt wieder über Julian Nagelsmann diskutiert werden. Das gehört nach einem WM-Aus zwangsläufig dazu. Wenn ich hier aber das Trainerthema auch noch aufmache, dann sitzen wir morgen früh noch hier!
Seit Jahren erleben wir bei großen Turnieren ähnliche Muster. Andere Gesichter, andere Trainer, ähnliche Ergebnisse. Mir geht es um etwas anderes! Vielleicht müssen wir endlich akzeptieren, dass das Problem tiefer liegt. Deutschland produziert nach wie vor hervorragende Fußballer. Technisch stark, taktisch hervorragend ausgebildet und athletisch auf höchstem Niveau.
Doch wann haben wir zuletzt einen Spieler hervorgebracht, der ein Spiel einfach an sich reißt? Einen, der Verantwortung übernimmt, wenn nichts mehr funktioniert. Einen, der aus einem kontrollierten Ballbesitz plötzlich einen magischen Moment entstehen lässt.
Nicht Statistiken.
Keine Passquoten.
Auch kein Ballbesitz.
Wo sind die Matthäus, die Schweinsteiger, die Philipp Lahms, die Franz Beckenbauers, die Gerd Müllers?
Auch das Elfmeterschießen erzählt letztlich dieselbe Geschichte.
Früher hatte Deutschland das Gefühl, dass am Ende ohnehin alles gut ausgehen würde. Dieses Selbstverständnis war über Jahrzehnte Teil der Identität. Gestern war davon wenig zu spüren.
Die Körpersprache vor den Elfmetern wirkte angespannt, fast verkrampft. Der Mythos verschwindet nicht mit einem verschossenen Strafstoß, aber irgendwann verliert selbst die größte Tradition ihre Wirkung. Und dennoch wäre es falsch, jetzt alles schlechtzureden.
Diese Mannschaft besitzt Qualität. Spieler wie Florian Wirtz, Nick Woltemade oder Jamal Musiala gehören zur Zukunft des deutschen Fußballs. Und, da warten ja auch noch ein Lennart Karl, ein Tim Bischof oder ein El Mala und wie sie alle heißen! Das Potenzial ist vorhanden. Was fehlt, ist die Fähigkeit, dieses Potenzial genau dann auf den Platz zu bringen, wenn es darauf ankommt.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser Weltmeisterschaft. Deutschland ist nicht ausgeschieden, weil erstmals ein Elfmeterschießen verloren wurde. Deutschland ist ausgeschieden, weil es zuvor 120 Minuten lang nicht gelungen ist, Paraguay entscheidend zu schlagen.
Der Mythos vom gewonnenen Elfmeterschießen ist Geschichte. Jetzt muss ein neuer entstehen. Einer, der wieder auf mutigem Fußball, Überzeugung und echter Gewinnermentalität basiert und nicht auf Erinnerungen an vergangene Weltmeisterschaften.
Ein abschließender Gedanke… Was ist mit Jürgen Klopp? Der ist noch nicht Trainer! NOCH nicht!
Fußball besteht aus Entscheidungen. Manche schreiben Geschichte, andere spalten ganz Deutschland. Triff deine eigene Entscheidung!
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